Denkmalprämierung 2008

Der Bezirk Mittelfranken prämiert alljährlich gelungene Sanierungen von Baudenkmälern. Deren Besitzer bzw. die Verantwortlichen, die viel Geld, Zeit und Engagement in die Bauarbeiten gesteckt haben, erhalten in einer Feierstunde, die heuer im prämierten Freyerskeller in Hilpoltstein stattfindet, vom Bezirkstagspräsidenten Richard Bartsch eine Urkunde und ein vom Bezirk herausgegebenes Buch, in dem auch ihr Baudenkmal in Wort und Bild vorgestellt ist. Eine fachkundige Jury wählte aus den meist von den Kreisheimatpflegern vorgeschlagenen Objekten anhand von Bildern und schriftlichen Informationen die überzeugendsten Sanierungsmaßnahmen aus und präsentiert diese in einer Bilderausstellung sowie in einem Lichtbildervortrag während der Feierstunde.

von links Bezirksrat Ernst Schuster, Bezirkstagspräsident Richard Bartsch, Ernst Meier, Bürgermeister Manfred Preischl, Familie Kelsch, der stellvertretende Landrat Walter Schnell, Familie Volkert, Kreisheimatpfleger Manfred Horndasch, Familie Peters, der Gebietsreferent des Landesamts Dr. Florian Koch und Kreisheimatpfleger Georg Schultheiß beim Erinnerungsbild.

Mehlerturm Greding

Der Mehlerturm ist Teil der fast vollständig erhaltenen mittelalterlichen Stadtbefestigung.  Der Turm aus dem 15. Jahrhundert hat einen fünfeckigen Grundriss und ist aus Kalksteinen aufgemauert. In Erdgeschoss und den zwei Obergeschossen erhielten sich noch Bohlenbalkendecken, alte Feuerstellen und Rauchabzüge. Die Stadt ließ den Turm innen und außen für Wohnzwecke denkmalgerecht instand setzen. Schäden an Deckenbalken und Dachtragwerk hatten Risse im Gemäuer zur Folge. Diese statischen Schäden wurden repariert. Der zuletzt steinsichtige Turm war ehemals verputzt. Die heutige Außengestaltung mit Lisenen, Fenstereinfassungen und der Quadermalerei im Sockelbereich erfolgte nach Befund.

Ehem. Kirche Kleinhöbing

Die ehemallige Kirche St. Peter und Paul gehört zum Hof der Familie Meier in Kleinhöbing. Die katholische Kirche verkaufte die ehemalige Prioratskirche des Klosters Berchtesgaden 1925 mit der Auflage, Chor und Dachreiter abzureißen. Das profanierte Gebäude wurde fortan als Lagerraum genutzt. Sehr nahe an der viel befahrenen Straße Thalmässing-Greding gelegen, litt der Putz des Baus sehr, an vielen
Stellen lag das Weißjura-Bruchsteinmauerwerk offen. Die Eigentümer ließen das Gebäude mit größtmöglicher Schonung der überkommenen Substanz nun instand setzen. Die originalen Putzreste blieben erhalten. Die charakteristische Tür wurde restauriert, in deren Türstock die Namen der Kirchenpatrone Petrus und Paulus eingeschnitzt sind. Nun zeugt die „Scheunenkirche“ mit einem attraktiven Äußeren von ihrer ehrwürdigen und ungewöhnlichen Vergangenheit.

Schulhaus Untermässing

Das 1902 in Untermässing errichtete Schulhaus bildet schräg gegenüber von Kirche und Pfarrhaus einen markanten Blickpunkt. Bis ca. 1985 als Volksschule genutzt, wurde es danach als Wohnraum vermietet und verfiel mehr und mehr. Nach einer aufwendigen Sanierung durch die Stadt Greding ist es nun als Pfarrheim wieder öffentlich zugänglich. Es hatte sich ein beachtlicher Anteil der hochwertigen bauzeitlichen Ausstattung erhalten, Kastenfenster, Fußböden, Wandverkleidungen bis hin zu Ausstattungsstücken und kulturhistorisch interessanten Lehrmitteln. Nach der Vernichtung von Hausschädlingen wurden die statischen Schäden behoben, der Fassadenputz gefestigt bzw. rekonstruiert und die historischen Fenster repariert. Die Haustür wurde nach Vorbild rekonstruiert.

Ziegler bei Euerwang

Der abgelegene Zieglerhof südlich von Euerwang wurde im 19. Jahrhundert errichtet und zeichnet sich durch seine heute selten gewordene Vollständigkeit aus: Wohnhaus, Austragshaus, Jurascheune, Stadel, Backhaus, Pferde-, Hühner, Schweinestall und eine Ziegelhütte sind weitgehend im erbauungszeitlichen Zustand erhalten. Familie Peters hält ihre Gebäude mit großem Engagement intakt. An die Giebelseite des großen Stadels ist über die gesamte Länge ein mit Kalkplatten gedeckter Schweinestall angesetzt. Es ist ein niedriger Holzständerbau mit Riegelfüllung auf einem Natursteinfundament. Die Gefache bestehen aus waagrecht in Nuten geschobenen Hölzern. Auch bei dieser Instandsetzung in Eigenleistung ersetzten die Besitzer nur fehlende oder zerstörte Holzteile, gealterte Holzteile blieben erhalten, ebenso viele Details, beispielsweise die schmiedeeisernen Beschläge an den Kobentüren. Zum Abschluss wurde das Dach mit den regionaltypischen Kalkplatten neu eingedeckt.

Nerreth

Der Weiler Nerreth bei Wendelstein besteht heute aus drei Wohnhäusern mit Nebengebäuden. Die 1351 erstmals genannte Siedlung erwarb gegen Ende des 19. Jahrhunderts der Steiner Bleistiftfabrikant Lothar von Faber, um dort aufzuforsten und Holz für die Bleistiftfabrikation zu gewinnen. Zwei der Wohnhäuser aus dem 19. Jahrhundert prägen mit ihren Giebeln das Bild des Weilers entscheidend. Sie waren längere Zeit unbewohnt. Eine ganze Familie hat sich in den letzten Jahren der Renovierung des Ensembles angenommen und beide Wohnstallhäuser unter Einschaltung eines Restaurators außen und innen wieder zu Wohnzwecken hergerichtet. Im Inneren sind aus den beiden ehemaligen eingewölbten Ställen in den hinteren Hausbereichen attraktive Wohnräume geworden. Zur Schonung der noch reichlich vorhandenen originalen Bausubstanz wurden Lagerräume und Haustechnik in zurückhaltend gestalteten hölzernen Anbauten an den Gebäuderückseiten untergebracht.

Hopfenbauernhof in Belmbrach

Das landwirtschaftliche Anwesen besteht aus einem Wohnstallhaus, einer Scheune und einer Remise und ist ein kleines, regionaltypisches Hopfenbauerngehöft. Das Wohnstallhaus bildet, zurückgesetzt und traufseitig stehend, den hinteren Abschluss des Hofraums. Rechtwinklig dazu steht rechts die Fachwerkscheune aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, dahinter die Remise. Das erdgeschossige Wohnhaus wurde wohl um 1820 über einem älteren Kern aus der Zeit um 1700 erbaut. Das Gebäude mit Hopfengauben ist aus Sandsteinquadern aufgemauert. Das Anwesen stand seit ungefähr 20 Jahren leer und befand sich in einem entsprechend schlechten Zustand. Das Wohnhaus war als stark gefährdetes Baudenkmal eingestuft, da das statische Gefüge des Dachwerks aus dem Gleichgewicht geraten war. Mit großem Engagement und einem beachtlichen Maß an Eigenleistung hat eine junge Familie die Scheune und das Wohnhaus nach denkmalpflegerischen Vorgaben instandgesetzt und heutigen Wohnverhältnissen angepasst. Aus dem kreuzgewölbten Stallbereich wurde ein attraktives Wohnzimmer. Die moderne Heizungsanlage konnte in der benachbarten Scheune untergebracht werden. Mit viel Engagement kümmerten sich die Bauherren um die Aufarbeitung bzw. Rekonstruktion der historischen Türen und Beschläge.