Archäologischer Wanderweg Thalmässing

Er führt auf einer landschaftlich reizvollen Route über die Berge und Hänge des Jurarands, die schon in vorgeschichtlicher Zeit von Menschen begangen und besiedelt wurden. Ihre Wohnplätze, Kultstätten, Friedhöfe und Befestigungsanlagen haben sich hier in zahlreichen Bodendenkmälern erhalten. Diese sind an Ort und Stelle auf Schautafeln näher erklärt. Hier gemachte Bodenfunde werden im vor- und frühgeschichtlichen Museum von Thalmässing gezeigt.

Der Rundwanderweg erfordert für die gesamte Länge von rund 15 km drei Stunden reine Gehzeit. Die Wanderparkplätze können als Ausgangspunkt für Kurzwanderungen benutzt werden.

Stationen auf der Route:

1. Die vorgeschichtliche Besiedlung im Raum Thalmässing

Seit über 100 Jahren brachten archäologische Ausgrabungen viele Einzelheiten ans Tageslicht. Ein Querschnitt dieser Funde ist im Vor- und frühgeschichtlichen Museum Thalmässing ausgestellt: Steinbeile, Pfeilspitzen, Bronzeschmuck, bemaltes Geschirr und Grabbeigaben illustrieren den Sachbesitz der Menschen vom steinzeitlichen Jäger bis zum keltischen Bauern. Der originalgroße Nachbau einer keltischen Grabkammer mit einer nachempfundenen Frauenbestattung ist ein Beispiel für die Funde bei der Freilegung eines Kelten-Friedhofs bei Landersdorf.

2. Vorgeschichtliche Abschnittsbefestigung

Wie viele andere Bergsporne der südlichen Frankenalb ist auch der nordöstliche Abschnitt des Waizenhofener Espans durch einen Graben und einen Wall befestigt. Der über 300 m lange Wall schützte vermutlich in der Urnenfelderzeit eine über einen Hektar große Siedlung.

3. Grabhügel der Bronze- und Hallstattzeit

Mehr als 35 Grabhügel gehören zu dem Gräberfeld auf dem Waizenhofener Espan. Mit bis zu 15 m Durchmesser und über 1 m Höhe sind sie in dem Weidegelände deutlich sichtbar. Der heute rekonstruierte Hügel war die Grablege einer etwa 30-jährigen Frau der mittleren Bronzezeit (um 1500 v. Chr.), die mit ihrem Schmuck bestattet worden war. Gefäßreste weisen auf die Beigabe von Speise und Trank für den Weg ins Jenseits hin. Während der Hallstattzeit nutzten die Kelten den Hügel für eine weitere Bestattung.

4. Mehrfache Besiedlung und Befestigung

Den Bergsporn des Hinteren Berges trennen vier Gräben von der Hochfläche ab. Zwei Gräben wurden bereits am Ende der Jungsteinzeit angelegt, etwa 50 Höfe befanden sich in der befestigten Fläche. In der frühen Bronzezeit stand nur ein kleines Gehöft auf dem Sporn. Erst in der Urnenfelderzeit wurde er wieder befestigt. Eine mächtige Holz-Erde-Mauer mit Steinverblendung und ein 2 m tiefer und 4 m breiter Graben sollten Schutz vor Angreifern bieten. Im Mittelalter befestigte man den Bergsporn erneut. Diese Anlage diente wohl als Fliehburg gegen die ungarischen Reiterscharen, die 955 auf dem Lechfeld endgültig besiegt wurden.

5. Keltische Eisenverhüttung

Am Rand der südlichen Frankenalb finden sich an vielen Stellen Schlackenhalden der vor- und frühgeschichtlichen Eisenverhüttung. Das knollenförmige Bohnerz wurde obertägig abgebaut. In schornsteinförmigen Rennöfen erreichte man mit Hilfe von Blasbälgen Temperaturen von weit über 1000°C. Dabei schmolzen die Verunreinigungen als Schlacke aus, im Ofen blieb die sog. "Eisensau" zurück, ein weißglühender Eisenklumpen, der durch kräftiges Schmieden von Schlackenresten befreit und weiter verarbeitet wurde.


6. Keltisches Bauernhaus (Nachbau)

Um die Lebensweise der Kelten anschaulich darzustellen, rekonstruierte die Naturhistorische Gesellschaft Nürnberg e. V. am südlichen Ortsrand von Landersdorf ein keltisches Bauernhaus mit Zubehör.

Das 4 x 6 m² große Gebäude entspricht in seinen Ausmaßen und seiner Bauweise aus Holzpfosten, Flechtwänden und Strohdach den Häusern, die vor 2500 Jahren von den Kelten bewohnt wurden. Für den Nachbau wurden nur Werkzeuge und Techniken verwendet, die aus archäologischen Grabungen nachweisbar sind. Vor dem Haus steht ein Backofen, wie er zum Backen von Brot und süßem Gebäck verwendet wurde. Auf der Ackerfläche um das Haus wachsen Einkorn, Emmer, Dinkel, Ackerbohnen, Lein, Mohn und Färbepflanzen.

7. Grabhügelfeld der Hallstattzeit

1983 bis 1986 wurden auf dem Gelände unterhalb der Göllersreuther Platte 35 Grabhügel und 95 Einzelbestattungen ausgegraben. Hiervon wurden vier Hügel in ihren Originalausmaßen rekonstruiert. Ein fünfter Hügel zeigt den Innenaufbau. Der Friedhof wurde um 650 v. Chr. begonnen und bis ca. 350 v. Chr. belegt. In dieser Zeit war sowohl die Körper- als auch die Brandbestattung üblich. Zwischen den Hügeln befanden sich zahlreiche kleine Brandgräber, vermutlich für die sozial weniger bedeutsamen Mitglieder der Siedlungsgemeinschaft. In den Hügeln befanden sich hölzerne Grabkammern, die neben festlich gekleideten Toten auch ganze Trink- und Speiseservice für ein Gastmahl im Jenseits enthielten.

8. Höhensiedlung der Hallstattzeit

Die zum Gräberfeld gehörige Siedlung lag auf dem Plateau der Göllersreuther Platte. Im Südosten und Nordwesten sind einige Wallspuren die letzten Zeugnisse einer Befestigung, die die Siedlung umgab. Mangels Ausgrabungen wissen wir nichts über die Zahl der Häuser. Die Zahl der Dorfbewohner lässt sich nach der Belegung des Friedhofs mit jeweils mindestens 30 beziffern.

Unterhalb der Göllersreuther Platte wurde 1986 ein Hockergrab der Schnurkeramik-Kultur (etwa 2200 v. Chr.) gefunden, in dem ein Mann in gehockter, liegender Stellung beigesetzt war. Die Schnurkeramiker waren Nomaden der Jungsteinzeit, die ihre Toten am jeweiligen Standort bestatteten. Deshalb sind nur wenige Gräber dieses Kulturkreises bekannt.

9. Mittelalterlicher Turmhügel

Bis in das 13. Jahrhundert bestanden Burgen oft nur aus einem Holzturm, der auf einem aufgeschütteten Hügel errichtet wurde. Ein solcher Turmhügel steht am westlichen Ortsrand von Hagenich. Er ist weitgehend zerstört und überbaut. Der Hügel war im Mittelalter vermutlich von einem Wassergraben umgeben und sicherte eine Straßengabelung zwischen Thalmässing, Greding und Weißenburg.

10. Grabhügel der Hallstattzeit

An einem bewaldeten Abhang nördlich von Gebersdorf liegen zwei Grabhügel, von denen einer 1889 durch den Thalmässinger Apotheker Ziegler geöffnet wurde. Er fand Reste von mehreren Bestattungen, dazu Glas- und Bernsteinringe, Fibeln, Bronzeschmuck und Gefäße. Der noch in der Hallstattzeit errichtete Hügel wurde bis in die frühe Latènezeit als Grablege benutzt.

11. Bajuwarisches Reihengräberfeld

1887 stieß man beim Bau der Eisenbahnlinie Roth-Greding auf den Friedhof des frühen Mittelalters. Dabei wurden 111 Bestattungen des 6. und 7. Jahrhunderts freigelegt. Die zugehörige Siedlung lag wohl im Bereich der heutigen Marktgemeinde Thalmässing.

In den Frauengräbern fand sich Trachtschmuck, vor allem Fibeln und Ketten aus Bernstein und Glasperlen. Die Männer waren mit ihren Waffen, vor allem Lang- und Kurzschwertern, Lanzen, Pfeil und Bogen sowie Schilden ausgestattet. Eine kleine Gruppe von fünf Gräbern zeigte auffallende Gegenstände: Fibeln aus Oberitalien, Gürtelbeschläge aus Aquitanien sowie Goldwaagen für das Abwiegen von Münzen. Man kann daraus auf rege Handelsbeziehungen der Führungsschicht des Ortes schließen.