Denkmalprämierung 2005

Alljährlich führt der Bezirk Mittelfranken (Bezirksheimatpfleger) eine Denkmalprämierung durch, bei der besonders gelungene Sanierungen von Gebäuden und Flurdenkmälern ausgezeichnet werden. Dadurch soll das öffentliche Interesse an der Denkmalpflege gefördert werden und Besitzer von denkmalgeschützten Objekten motiviert werden, diese nicht nur zu erhalten, sondern auch zu sanieren und damit aufzuwerten.

2005 wurden folgende Objekte im Landkreis Roth ausgezeichnet:

Allersberg: Rathaus

Die Marktgemeinde Allersberg sanierte zu ihrem Jubiläumsjahr 2004 die Fassade ihres Rathauses. Graf Anton Wolfgang von Faber-Castell spendierte „als Geburtstagsgeschenk“ die Putzausbesserungen und den Anstrich an der Süd- und Westfassade, den beiden „Schauseiten“. Nach Befund-Untersuchungen seines Restaurators wollte er sich richten bei der Neufassung von Putz, Lisenen (die Fassade gliedernde Mauerstreifen) und Wappenkartusche. Die neue Farbfassung, ein gebrochenes Weiß mit  steingrauen Lisenen, sei eine typische Fassung des 18. Jahrhunderts, stellte Dr. Florian Koch vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege nach einem Ortstermin in einer Aktennotiz fest. Die durch die Fassung schlicht und elegant wirkende Fassade finde ihren farblichen Akzent in der Wappenkartusche über dem Portal, so Dr. Koch weiter. Auch die beiden restlichen Rathausseiten wurden noch saniert: Die Marktgemeinde übernahm die Kosten für die Ostseite, die für die Nordseite teilten sich die Marktgemeinderäte. Rechtzeitig zum Heimatspiel, das Anfang Juli direkt am Rathaus aufgeführt wurde, konnte die Maßnahme abgeschlossen werden.

Hilpoltstein: ehemaliges Schwesternwohnhaus

Das frühere Schwesternwohnhaus in Hilpoltstein erwarb die Architektenfamilie Jörg und sanierte es für sich als Wohnhaus. Das „städtebaulich stark wirksame Objekt“, so Dr. Florian Koch, stammt aus der Barockzeit und besitzt ein typisches Mansarddach. Reparaturen der 1960er Jahre – Beton im Fußbodenbereich und zementgebundene Holzplatten im unteren Wandbereich – sowie PVC-Fliesen und Gipskartonplatten mussten ausgebaut und entsorgt werden. Für die Altstadt jedenfalls ist das private Engagement wichtig, damit sie bewohnt und damit lebendig bleibt.

Laibstadt: Herz-Jesu-Kapelle

In Laibstadt sanierte die Familie Baumann die Herz-Jesu-Kapelle an der Straße nach Rudletzholz. Sie wurde 1891 von Michael Harrer errichtet, ist auf einer Inschrift zu lesen. Dieser wohnte im Haus Nr. 21, und auch heute noch sorgen dessen Bewohner für den Kapellen-Unterhalt. Dazu gehörte die notwendige Sanierung des Fundamtens. Da die Familie viele Arbeiten in Eigenleistung ausführte, erstreckte sich die Sanierung über mehrere Jahre.

Lohen: Filialkirche

Ein besonderer Sanierungsfall ist die katholische Filialkirche St. Johannes Evangelist in Talmässing-Lohen. Als vor mehr als sechs Jahren von der Decke des Chorraums ein großes Stück Putz heruntergefallen war, ergaben Voruntersuchungen, dass große Bereiche der Decke hohl liegen. Weitere Untersuchungen ergaben noch zahlreiche weitere Schäden im und am Gotteshaus, so dass eine umfangreiche Sanierung notwendig wurde. Die vom Architekten errechneten Kosten waren ein großes Problem für die kleine Kirchenstiftung, nur etwa 100 Katholiken gehören nämlich zur Filalgemeinde, die überwiegende Mehrheit der Lohener Bevölkerung ist evangelisch. Auch die evangelischen Lohener sagten der Maßnahme ihre Unterstützung zu, schließlich finden auch ökumenische Andachten in der Lohener Kirche statt und steht die Kirche prägend mitten im Dorf. Auf das Notwendigste musste man sich natürlich konzentrieren und Vieles in Eigenarbeit übernehmen, um Kosten zu sparen. Dank der Zuschüsse von Diözese, Direktion für Ländliche Entwicklung und Denkmalamt, um nur die wichtigsten zu nennen, und dank der praktizierten Ökumene konnte die Außensanierung von Kirche und Friedhofsmauer „zu einem denkmalfachlich sehr überzeugenden Abschluss“ kommen, sagte Dr. Koch bei einem Ortstermin.

Roth: Wohn- und Geschäftshaus

Auch in diesem Jahr ist der Landkreis Roth wieder mit einigen Objekten vertreten. In der Roth wird die Renovierung des Haus in der Kugelbühlstraße 34 prämiert. Hier war es schwierig, die Anforderungen des Denkmalschutzes und des funktionellen Nutzens unter einen Hut zu bringen, sagt Kreisheimatpfleger Manfred Horndasch, denn es sollte weiterhin als Geschäftshaus genutzt werden. Die gelungene Renovierung zeigt aber, dass solch ein Vorhaben gelingen kann. Saniert wurde das ganze Haus, das hinten an die die ehemalige Stadtmauer angrenzt, sowie der gesamte Umgriff. In der ehemaligen Werkstatt im Hof richtete man ein Atelier für eine Künstlerin ein.

 

Spalt: Hopfenbauernhaus

In Spalt sanierte der Heimatverein das Hopfenbauernhaus in der Gänsgasse 45, in dem er für sich ein Besprechungszimmer einrichtete. Die Gesamtsanierung dieses an die Stadtmauer angelehnten Hauses führten Mitglieder des Heimatvereins um „Motor“ Willi Maul sach- und fachgerecht durch. Ermöglicht wurde dies zum einen durch Zuschüsse, zum anderen aber auch nur durch die außerordentlich große Eigenleistung der Mitglieder. Sie beließen die für die Hopfenbauernhäuser typischen Einrichtungen und veränderten nichts. So kann man wie in einem Museum die Kammer am Dachboden, in der die Hopfenzupfer schliefen, in der „gouten Stubm“ Hopfenbauernhaus-Atmosphäre erleben und sehen, wie die Trockenanlage ins Haus integriert war.

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